Das große Kreuz im Treppenhaus des Evangelischen Gemeindehauses in Würzberg. Der Fensterteil rechts oberhalb ist zerborsten – durch die Hitze gesplittert beim Brand eines direkt benachbarten Gebäudes. Ein Mensch ist bei diesem Feuer schwer verletzt worden. Viele haben geholfen – die Dorfgemeinschaft hat zusammengeholfen, jede und jeder auf ihre und seine Weise, um zu löschen, zu retten, beizustehen, zu unterstützen, zu trösten, zu stärken. Nicht einmal zwei Tage später sollte das Fest „30 Jahre Evangelisches Gemeindehaus“ gefeiert werden. Es gab einen Gottesdienst, Dank für die Gemeinde, die Gemeinschaft. Dank auch dafür, dass nicht noch mehr passiert ist. Und natürlich auch für dieses Haus, in dem die Gemeinde neben der Kirche eine Heimat hat. Aber nach Feiern war niemandem zumute.
Geblieben ist unter anderem dieses Bild; ein Bild, das selbst zu predigen vermag. Da ist das Kreuz unter dem teilweise zerstörten Fenster. Oder davor – oder dahinter? Je nach Betrachtungsweise. Was ich passend finde: dieses große, aber recht einfache Kreuz. Ich persönlich mag solche Kreuze, mag generell lieber Kreuze ohne Korpus, je schlichter, umso schöner – und aussagekräftiger.
Kein Kruzifix. Da ist kein Getöteter zu sehen. Christus ist da nicht mehr, er ist längst fort und ganz woanders: bei uns, mitten unter uns, in unserer Gemeinschaft, die unter dem Namen Gemeinde in seinem Namen versammelt ist.
Der Brand ist und bleibt eine Katastrophe. Ein Mensch ist schwer verletzt worden. Freilich: Ein Übergreifen der Flammen konnte verhindert, Tiere konnten gerettet werden. Dennoch: eine Katastrophe, und dazu gibt es kein Aber. Was es gibt, das ist dieses Bild, welches erinnert, eindrücklich wie eindringlich daran erinnert: Wo etwas gebrochen, zerbrochen, zerstört ist, da ist auch Christus nahe. Er lebt, geht mit, ist bei uns; tröstet, unterstützt, steht bei, stärkt, alle Tage, bis an der Welt Ende. So hat er es selbst versprochen.
Bernhard Bergmann